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23.12.2009
Wirtschaft braucht Verkehr

zum Leserbrief in Stadt & Land vom 06.12.2009 von Alfons Distler und Klaus Stieringer

Der Leserbrief von Alfons Distler und Klaus Stieringer von Stadtmarketing Bamberg e.V. läuft auf die Formel Verkehr = Autoverkehr = Umsatz = Innenstadtrettung hinaus.

Diese Formel ist bereits auf den ersten Blick verbl√ľffend absurd, denn alle H√§ndler wissen, dass die Kundinnen und Kunden erstens im Laden zu Fu√ü unterwegs sind und dass zweitens auf eine begrenzte Fl√§che mehr Fu√üg√§nger als Autos passen. Gerade das Weihnachtsgesch√§ft macht das in diesen Tagen √ľberaus deutlich! So viele Menschen, wie in diesen Tagen zeitgleich √ľber den Gr√ľnen Markt laufen, k√∂nnten dort niemals unterwegs sein, wenn dort Autoverkehr zugelassen w√§re. Die Schaffung der Fu√üg√§ngerzone hat die Kundenzahlen erh√∂ht und nicht verringert, was auch an der Mietentwicklung leicht beweisbar ist. Hohe Fu√üg√§ngerdichte ist √ľbrigens auch das √∂konomische Erfolgskonzept gro√üer Einkaufszentren von Projektentwicklern und nicht etwa das Parken vor jeder Ladent√ľr innerhalb des Einkaufszentrums.

Innerhalb seines Gesch√§ftes wei√ü jeder H√§ndler, dass jeder Quadratmeter Verkaufsfl√§che ein kostbares Gut darstellt, welches es bestm√∂glich zu nutzen gilt! Warum sollte drau√üen vor dem Laden pl√∂tzlich etwas anderes gelten? Marktwirtschaftlich betrachtet, ist es nicht wirtschaftlich, den kostbaren √∂ffentlichen Raum im Herzen Bambergs f√ľr das Abstellen von ein paar Autos weit unter Wert herzugeben. Auf dem Platz eines Autos k√∂nnten sieben Fahrr√§der und 20 Fu√üg√§nger stehen.

Aber selbst wenn die Bamberger Innenstadt tats√§chlich existentiell von der Anzahl ebenerdiger Stellpl√§tze abhinge, so m√ľssten zwischen Hauptwache, Altem Rathaus, Promenade und Heumarkt s√§mtliche vorhandenen Geb√§ude abgebrochen werden (nat√ľrlich mit Ausnahme des Hauses, dessen Interessen Herr Distler zu vertreten sich verpflichtet hat), um Parkplatzfl√§chen nach den Vorbildern eines "Market" oder "Neubert" zu schaffen.

Wenn Stadtmarketing diese wirklich konsequente Autoorientierung nicht will, w√§re es sicherlich Erfolg versprechender auf die zahlreichen St√§rken der Bamberger Innenstadt zu setzen: Auf das Stadtdenkmal, die Atmosph√§re, das Flair, den Markt, die Mischung aus Handel, Dienstleitung, Gastronomie, Handwerk und Kultur, auf die Authentizit√§t der Stadt. W√§re es nicht Erfolg versprechend, auf Service zu setzen, auf Freundlichkeit, auf Lieferservice, auf Umtauschservice, auf Testkauf, auf Shuttleservice, auf B√§nke, Caf√©s, Brunnen, einheitliche √Ėffnungszeiten und gemeinsames Marketing? Wenn der Kunde im Internet (auch von Gesch√§ften der Bamberger Innenstadt!) besseren Service geboten bekommt, als im Laden, werden die Kunden marktwirtschaftliche Schl√ľsse daraus ziehen!

Aber von all diesen Themen sprechen die Herren Distler und Stieringer - wie so oft - √ľberhaupt nicht. Hier dr√§ngt sich der Eindruck auf, dass mit der k√ľnstlich aufgebauschten Diskussion um 100 Stellpl√§tze gezielt von den eigenen Defiziten, Fehlern und Vers√§umnissen des Stadtmarketingvereins abgelenkt werden soll! Umstritten sind zum Beispiel die vielen und lauten "Events", die Stadtmarketing organisiert, und inzwischen gibt der Gesch√§ftsf√ľhrer von Stadtmarketing auch ganz offen zu, dass die "Events" nicht in erster Linie Kunden in die Stadt bringen sollten, sondern Geld in die Kasse von Stadtmarketing und damit auch auf das Konto des Gesch√§ftsf√ľhrers. Das regt manchen Hauseigent√ľmer und Einzelh√§ndler in der Innenstadt erheblich auf, so dass von einer Einigkeit der Wirtschaftsverb√§nde √ľberhaupt keine Rede sein kann!

Neben den √∂konomischen Zielstellungen der Fl√§cheneffektivit√§t gibt es auch noch ein weiteres wirtschaftliches Argument, das deutlich daf√ľr spricht, konsequent Kurzparkpl√§tze f√ľr Kraftfahrzeuge durch Kundenparkpl√§tze f√ľr Fahrr√§der zu ersetzen: Der Rad fahrende Kunde mit Wohnsitz in Bamberg erwirtschaftet in der Innenstadt einen h√∂heren Jahresumsatz als der Auto fahrende Kunden aus dem Umland. Das ergibt sich zum Beispiele aus den Kundenbefragungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Gro√übetriebe des Einzelhandels. Betriebswirtschaftlich betrachtet, ist es daher √ľberhaupt nicht √ľberraschend, dass es mit dem innerst√§dtischen Einzelhandel bergab gehen wird, wenn dessen - vermeintliche - Wortf√ľhrer weiterhin vollkommen einseitig auf fl√§chenfressende, selten kommende Kraftfahrzeugkunden setzen, statt auf fl√§chensparende, regelm√§√üig kommende Fu√üg√§nger- und Fahrradkunden.

F√ľr die Fu√üg√§nger-, Bus- und Radverkehrskunden k√∂nnte Stadtmarketing noch Vieles unternehmen: Eine Kampagne gegen die kundenfeindlichen "Hier keine Fahrr√§der abstellen"-Schilder zum Beispiel oder eine Aktion f√ľr "100 √ľberdachte Kundenparkpl√§tze f√ľr Fahrradanh√§nger". Stadtmarketing k√∂nnte sich auch f√ľr die Abschaffung der Parkgeb√ľhrenerstattung im Handel einsetzen. Das w√§re ein sinnvoller Anreiz f√ľr Menschen, n√§her an die Innenstadt zu ziehen, was Voraussetzung ist, um Stammkunden zu binden, statt auf Zufallskunden zu hoffen. "5.000 neue Einwohner" f√ľr Bamberg als Zielaussage von Stadtmarketing. Mehr Fahrradb√ľgel auf dem Maxplatz. Das w√§ren alles deutliche Signale zur St√§rkung des innerst√§dtischen Handels!

Regelm√§√üig wird dann von Seiten der Herren Stieringer und Distler behauptet, dass derjenige, der mehr Caf√©s statt Parkpl√§tzen wolle, einseitig auf Tourismus setze und folglich gegen den Handel und damit gegen die Interessen der Bewohner Bambergs argumentiere. Hier wird geradewegs so getan, als seien die vielen Caf√©s und Freischankfl√§chen in den letzten Jahren auf Druck realit√§tsferner Stadtplaner oder Umweltverb√§nde zwangsweise er√∂ffnet worden. Tats√§chlich aber handelt es sich um einen marktwirtschaftlichen Prozess privater Akteure, der ein gewandeltes gesellschaftliches Verhalten widerspiegelt. Der Kunde von heute sieht sich nicht als entweder als Ausw√§rtiger-Tourist oder Einheimischer-Bekleidungsk√§ufer. Das ist ein √ľberholtes Bild von den Kundinnen und Kunden, die Einkaufs- und Aufenthaltserlebnis kombinieren wollen, unabh√§ngig davon, wo sie zuhause sind.

Den aktuellen H√∂hepunkt der Diskussion liefert Herr Honer, indem er erkl√§rt, sein Gesch√§ft k√∂nne vom Umsatz allein der B√ľrgerinnen und B√ľrger Bambergs nicht leben. Einmal abgesehen davon, dass er den Beweis f√ľr diese Behauptung schuldig bleibt, stellt sich doch vor allen Dingen im Umkehrschluss die Frage, ob es sich Herr Honer und seine Einzelhandelskollegen denn leisten k√∂nnen, auf die Kundinnen und Kunden aus Bamberg g√§nzlich zu verzichten.

Die Menschen, die in Bamberg leben, benutzen auf dem Weg in die Innenstadt zu 80% nicht das Kraftfahrzeug! Die Menschen, die in Bamberg leben, zahlen daf√ľr h√∂here Mieten, h√∂here Grundsteuer, h√∂here Stra√üenreinigungsgeb√ľhren. Und das Entscheidende: Die Menschen, die in Bamberg leben, bezahlen √ľber ihre Grundsteuern den st√§dtischen Beitrag an Stadtmarketing. Aus diesem Geld wird Herr Stieringer bezahlt. Mit diesem Geld organisieren Herr Distler und Herr Stieringer die Events, deren L√§rm die Menschen zum Wegzug aus Bamberg bewegt. Mit diesem Geld betreibt Stadtmarketing die Werbung, die immer neue Kunden mit dem Auto nach Bamberg locken soll.

Viele H√§ndler wiegen sich in der Illusion, die Menschen aus Bamberg w√ľrden "sowieso" in der Innenstadt einkaufen. Diese Menschen aber freuen sich durchaus nicht √ľber schmale Gehwege, rote Ampeln, Staus, Abgase, rangierende und parkende Autos! Diese Menschen werden es sich nicht ewig gefallen lassen, dass die Herren Distler und Stieringer die Steuergelder der Bamberger B√ľrgerinnen und B√ľrger gezielt gegen die Interessen der Menschen in dieser Stadt einsetzen!

Es ist ja nicht √ľberraschend, dass der "Masterplan Innenstadt" von den meisten Verb√§nden in Bamberg mitgetragen wird. Nicht nur Verkehrs-, Umwelt- und Heimatorganisationen stehen zu den Zielen des Masterplans, sondern auch B√ľrgervereine, Vertreter von Menschen mit Mobilit√§tseinschr√§nkungen und Senioren und Elternbeir√§te von Schulen und Kinderg√§rten. Und dass alle die √Ąrzte, die sich soeben √∂ffentlich f√ľr besseren Schutz gegen Passivrauchen ausgesprochen haben, nunmehr ihren Patienten massenweise L√§rm, Abgase und Unf√§lle empfehlen werden, steht wohl auch nicht ernstlich zu erwarten! Au√üerdem ist es kein Geheimnis, dass viele Gesch√§ftsleute sowohl mit den "Events" von Stadtmarketing als auch mit der Werbekampagne "Deutschlands sch√∂nstes Kaufhaus" sehr unzufrieden sind. Die Initiative "IGLI" zum Beispiel ist regelrecht als Oppositionsb√ľndnis gegen Stadtmarketing gegr√ľndet worden. Von einer Einheitsmeinung der Wirtschaftsverb√§nde kann keine Rede sein. Die Basis in vielen Wirtschaftsverb√§nden denkt sehr viel differenzierter als ein paar wenige Schreih√§lse. Fast kein Verband in Bamberg will die autoorientierten Fehler der 60er Jahre wiederholen!

Zum Gl√ľck hat eine breite Mehrheit im Stadtrat diese Grundstr√∂mung erkannt und aufgenommen. Die Menschen in dieser Stadt wollen hier leben, weil Bamberg eine Stadt der kurzen Wege ist. Diese Qualit√§t soll gest√§rkt werden und nicht geschw√§cht. Viele Menschen wollen oft und gerne zu Fu√ü gehen oder Fahrrad fahren. Diesen Verkehrsmitteln soll der st√§dtische Raum weitgehend vorbehalten bleiben, weil dieser Raum knapp ist und zum Parken viel zu schade. Auch wer mit dem Auto kommt, weil er dort lebt, wo es keine anderen Verkehrsmittel gibt, ist immer herzlich willkommen in Bamberg. Eine Nutzung der Parkgaragen kann dem Gast in einem UNESCO-Welterbe sicherlich zugemutet werden. Unzumutbar dagegen ist es, dass Rad fahrende Kunden faktisch √ľberh√∂hte Preise zahlen, weil aus dem Zusatzgewinn die Parkgeb√ľhr von Kfz-Kunden finanziert wird.

Die Menschen in Bamberg zahlen gerne die h√∂heren Grundsteuern und Abgaben, wenn die Politik diese Gelder sinnvoll f√ľr eine lebenswerte Stadt der kurzen Wege verwendet und nicht einen City-Manager subventioniert, der in Frontalopposition den Menschen in Bamberg mit L√§rm und Autos die Lebensqualit√§t rauben will und zugleich auch noch den innerst√§dtischen Handel zugrunde richtet.

Einem B√ľrgerbegehren das den Menschen in dieser Stadt die M√∂glichkeit gibt, sich f√ľr Bamberg, f√ľr die Innenstadt, f√ľr den Handel und f√ľr das Wohnen auszusprechen, kann nur bef√ľrwortet werden. Diejenigen, die meinen, die Menschen w√ľrden lieber sich selbst den Platz zum Gehen wegnehmen, um daf√ľr die Autos anderer dort abzustellen, werden sich wundern ...

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